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Apnoe


Die Atmung des Freedivers Disziplinen Risiken und Gefahren Rekorde (AIDA)



Risiken und Gefahren

Tauche und trainiere nie alleine !

Jean Reno alias Enzo Molinari (Maiorca) in einer realistischen Szene aus dem Film "The Big Blue"

Risiken und Gefahren beim Apnoetauchen
Stichpunktartig mit Kurzerklärungen aufgelistet



1. O2, CO2, N
Hyperventilation I
In der Atmungsvorbereitung besteht die Gefahr der Hyperventilation Unter Hyperventilation versteht man das verstärkte, auch schnelle Atmen, ohne erhöhten Sauerstoffbedarf. Mit dieser Atmung setzt man zwar den CO2 Pegel (welcher für den Atemreiz verantwortlich ist) herab, jedoch beeinflusst man auch den pH-Wert des Blutes. CO2 ist eben auch für die Feinregulierung des Säure-Basen-Gleichgewichts verantwortlich. Ist zu wenig CO2 im Blut (Hypokapnie), verändert es sich zur alkalischen Seite. Die hier entstandene Alkalose bringt durch den durcheinander geratenen Calciumhaushalt Nerven und Muskeln in sehr reizbare Zustände, bis hin zu Krämpfen. Gleichzeitig ist die Sauerstoffversorgung im Hirn gestört, durch eine Vasokonstriktion (Verengung der Blutgefäße). Hier droht der Blackout noch vor dem Tauchgang. Erstes Anzeichen ist ein Kribbeln in den Händen oder Füßen.

Hyperventilation II
Ist durch Hyperventilation der CO2 - Spiegel gesenkt worden, wird der Atemreiz zeitlich hinter die Blackoutschwelle verschoben. Da nach begonnenem Tauchgang der Sauerstoffverbrauch steigt, kann eine Hypoxie entstehen, ohne dass man einen Atemreiz verspürt hat. D.h.: in einem Diagramm geht die CO2 Kurve verzögert nach oben, die Sauerstoffkurve gewohnt früh nach unten.

Schwimmbad-Blackout
Hierbei handelt es sich um eine Ohnmacht, die plötzlich ohne Vorwarnung, meistens beim Streckentauchen, eintritt. Auslöser dieses Blackout ist eine Hypoxie - akuter Sauerstoffmangel im Hirn. Durch die körperliche Aktivität beim Tauchen sinkt der O2 - Spiegel schneller, als z.B. beim Zeittauchen. Gleichzeitig steigt der CO2 - Spiegel schneller an. Da meistens der Atemreiz unterdrückt wird, sinkt der O2 - Spiegel auf eine kritische Marke und es droht der BO.

Aufstiegs-Blackout
Ein gefürchtetes Risiko, dass kurz vor dem Erreichen der Oberfläche nach einem Tieftauchgang gegenwärtig ist. Der Grund hierfür ist in den veränderten Partialdrücken der Gase zu suchen. Während eines Abstieges erhöht sich der O2 - Partialdruck. Ein Grund, weswegen wir uns in der Tiefe recht wohl fühlen. Dennoch wird in der Tiefe Sauerstoff verbraucht. Beim Aufstieg sinkt der O2 - Partialdruck, am stärksten auf den letzten 10 - 6 Metern. Je nach vorangegangener Anstrengung oder Aufenthaltsdauer in der Tiefe, kann der pO2 unter die Blackoutschwelle sinken. Natürlich steigt in der Tiefe auch der CO2 - Partialdruck, allerdings nicht so stark wie man es vermuten würde. Der Grund hierfür ist die hohe Löslichkeit von CO2 in sauerstoffarmem Blut.

Verzögerte Hypoxie
Wer glaubt, dass nach dem Auftauchen der erste Atemzug uns sofort mit frischer Luft versorgt und wir dann aus der Gefahrenzone eines Blackout sind, hat sich getäuscht. Ist der O2 Pegel im Gehirn nach dem Auftauchen auf einem niedrigen Niveau, sinkt trotz der Atmung dieser Pegel weiter. Der frische Sauerstoff muss erst einmal über die Lungenalveolen ins Blut diffundieren und über den arteriellen Kreislauf ins Gehirn gelangen. Das dauert bis zu 30 Sekunden. Zudem ist in den Lungen, bzw. Atemwegen noch die funktionelle Residualkapazität vorhanden. Ein Rest, der mit der frischen Luft erst vermischt wird. Somit kann ein Blackout auch mit Verzögerung eintreten.

Samba - LMC
Hinter diesen Begriffen verbergen sich Zustände wie Zittern in den Händen oder der Gesichtsmuskulatur, auch leichte Sprechbehinderungen. Ein Verlust der motorischen Kontrolle. Ein klarer Hinweis auf eine Hypoxie. Und ein Vorbote zum Blackout.

DCS
Beim Apnoe - Tieftauchen ist die Gefahr eines Dekompressionsunfalles genauso aktuell wie bei Gerätetauchern. Die Gefahr liegt: in der Häufigkeit von Wiederholungstauchgängen, in der Dauer des Aufenthaltes in der Tiefe, bei Tauchgängen in extreme Tiefen (No Limit), bei Apnoetauchgängen nach Gerätetauchgängen.
Es gibt keinen Garant für die rechtzeitige Abgabe des Stickstoffes aus dem Gewebe in die Alveolen beim Auftauchen.

Barotraumen
Lungen - Barotrauma - Air-Trapping - Pneumothorax
Taucht ein Apnoeist in die Tiefe, wird die Luft in der Lunge komprimiert, die Lunge schrumpft. Beim Auftauchen dehnt sich die Lunge wieder auf den Ausgangszustand aus.
Hier könnte es passieren, dass ein Teilbereich der Lungenlappen von einem Schleimpfropf verschlossen ist. Beim Aufstieg würde die sich ausdehnende Luft an eben genannter Stelle zum Zerreißen des Gewebes führen. Im schlimmsten Fall kann es dadurch zu einer Gasembolie, oder zu einem Pneumothorax (Lungenriss) kommen, was zu einem Zusammenfallen der Lungen führt.

Mittelohr - Barotrauma
Gelingt es einem Taucher nicht, den Druck in der Tiefe auszugleichen, wölbt sich das Trommelfell nach innen und verursacht Schmerzen. Blut und Gewebeflüssigkeit werden durch den Umgebungsdruck ins Mittelohr gepresst. Taucht man dabei noch recht schnell ab, kann auch ein Trommelfellriss entstehen.

Nebenhöhlen - Barotrauma
Erkältungsbedingt können die verschiedenen luftgefüllten Nebenhöhlen anschwellen. Beim Abtauchen ist daher kein Druckausgleich möglich. Ignoriert man den Schmerz, tritt auch hier wieder Blut und Gewebeflüssigkeit aus. Betroffen sind: Stirnhöhlen, Siebbeinzellen, Kieferhöhlen und Keilbeinhöhlen.

Umkehrblockierung
Gelingt einem Taucher trotz Erkältung der Druckausgleich in die Tiefe (z.B. durch Nasensprays), kann durch Schleimansammlung beim Auftauchen die sich ausdehnende Luft nicht entweichen. Das Trommelfell beispielsweise, wölbt sich nach außen. Zu einem Riss kommt es allerdings selten.

Vertigo
Vertigo ist ein Schwindel der durch ein Innenohr - Barotrauma (Riss des runden Fensters), ein perforiertes Trommelfell, oder Barotraumen des Mittelohrs und der Nebenhöhlen entstehen kann.

Masken - Barotrauma (Squeeze)
Natürlich muss beim Abtauchen auch der Druck in der Maske ausgeglichen werden. Geschieht das nicht, saugt, bzw. presst sich die Maske immer mehr an die Haut und verursacht kleine bis mittlere Blutergüsse. Besonders empfindlich reagieren hier die Augen. Das die Augen umgebende Gewebe quillt hervor und verursacht Risse der Kapillaren.

Barotrauma durch Neoprenanzug
Auch ein schlecht sitzender Neoprenanzug, der Luft zwischen Haut und Anzugmaterial eingeschlossen hat, verursacht durch den erhöhten Druck kleine Blutergüsse.

3. Temperatur
Hypothermie
Da Wasser 20 mal schneller Wärme transportiert als Luft, kühlt der Taucher trotz Neoprenanzug entsprechend schnell aus. Dieser Umstand wirkt sich schnell auf die Apnoezeiten durch erhöhten Sauerstoffverbrauch zur Wärmeproduktion aus, aber auch auf das Gewebe. Der Druckausgleich wird immer schwerer. Ignoriert man das Kältezittern, sinkt die Kerntemperatur. Es kommt zu Hypothermie, d.h. zum Versagen der Wärmeregulierung. Die geistigen Fähigkeiten und die Möglichkeiten zur Rettung und Selbstrettung gehen verloren. Wer hier nicht aus dem Wasser kommt, dem droht die Ohnmacht und der Tod.

Hitzeerschöpfung - Hitzschlag
Es muss nur ein Taucher früher im Neoprenanzug sein als sein Kollege. Es ist ein Mittag im Sommer. Die Sonne brennt. Der Wartende fängt sofort an zu schwitzen, aber die Kühlung des Körpers über die Haut funktioniert durch den Anzug nicht mehr. Der Körper versucht nun die Kerntemperatur niedrig zu halten. Ein Zustand, der mittel - bis langfristig zur Erschöpfung führt. Gibt es dann keine Kühlung, kann die Temperaturregulierung ausfallen, und es kommt zum Hitzschlag. Es drohen Organ - und Gehirnschäden, im Extremfall der Tod.

4. Umgebung
Grundsätzliche Risiken und Gefahren in allen Gewässern. Man sollte immer davon ausgehen, dass einem als Apnoetaucher beim Auftauchen folgendes passieren kann: Man gerät in eine Schiffspassage großer, gewerblicher Schiffe, die kaum ausweichen können, so sie einen Apnoeisten überhaupt sehen. Man befindet sich in der Nähe von Wassersportgebieten. Segler und Surfer und Ruderer kommen lautlos. Die eigene Boje zieht Freizeitwassersportler vor allem für Wendemanöver an. Unter Wasser ist der Schall so schnell, dass man Motoren zwar gut hören, aber nicht orten kann. Auch Motorboote sind in unmittelbarer Nähe nicht zu erkennen. Vielerorts sind Gewässer ein Revier der Berufsfischer. Netze und Leinen die knapp bis weit unter der Wasseroberfläche gespannt sind, dürften für den Apnoeisten meist unsichtbar sein. Ein Verfangen darin wäre lebensgefährlich. Jedes Gebiet hat sein Wetter. Besonders große Seen und bestimmte Meeresgebiete können oft einen plötzlichen Wetterumschwung haben. Stürme und Strömungen werden dem Taucher sofort zum Verhängnis.

Unterschiede bei Süß- und Salzwasser
Wer im Meer geschnorchelt, bzw. in Apnoe getaucht hat, weiß, dass man dort durch klare Sicht und meist angenehme Wassertemperaturen verwöhnt ist. Dennoch gibt es dort Risiken. Wir beginnen beim Wasser selbst. Salzwasser hat, bedingt durch den Salzgehalt, eine höhere Dichte. D.h., der Auftrieb ist stärker. Wer mit Süßwasser - Tarierung ins Meer geht, wundert sich sicher über seinen größeren Energieverbrauch. Man entkräftet schneller, die Apnoezeiten sind deutlich geringer.
Abgesehen von den Tiden sind im Meer vor allem die Strömungen ein größeres Problem. Die können innerhalb kürzester Zeit sehr stark werden und ihre Richtung ändern. Insbesondere Schnorchler sind hier oft betroffen.
Im Meer gibt es viel zu sehen. Vor allem Lebendiges. Allerdings ist nicht alles was schwimmt, oder nur herumliegt harmlos. Es gibt eine ganze Reihe von Fischen, Quallen, Korallen und Krustentiere, die giftig, oder auch angriffslustig sind und bei Kontakt Verletzungen, die bis zum Tode führen, verursachen können. Im Süßwasser, vor allem in heimischen Seen, ist das primäre Problem die Dunkelheit und die Kälte.
Selbst, wenn im Sommer die Oberflächentemperatur 24° hat, misst die Sprungschicht in ca. 10 Metern Tiefe nur noch ca. 12 Grad. Wer in tiefere Regionen taucht, erreicht die 4° - Schicht. Durch die Schwebeteilchen aus Sediment und Blüten ist die Sicht oft auf einen halben Meter beschränkt, was zu einer psychischen Belastung führt. Verliert man in der Tiefe plötzlich den Partner und das Führungsseil aus den Augen, gerät man gern in Panik.

Fazit: Tauche und trainiere nie alleine!